Sehhilfen geben Selbstständigkeit zurück Drucken E-Mail

Vergrößernde Lesebrillen sind bestens geeignet, wenn keine Lupe erwünscht ist und die Hände frei bleiben sollen. (Bild Copyright Zeiss)Vergrößernde Lesebrillen sind bestens geeignet, wenn keine Lupe erwünscht ist

Rund 62 Prozent der Deutschen tragen eine Brille und können dank dieser wieder scharf sehen. Das klingt wie eine Selbstverständlichkeit, ist es aber nicht. Weit mehr als eine halbe Million Menschen, zumeist Senioren, sehen so schlecht, dass sie auch mit einer Standardbrille im Alltag stark eingeschränkt sind. Die gute Nachricht: Vergrößernde Sehhilfen können ihnen Selbständigkeit und Mobilität weitgehend zurückgeben.


Für viele Menschen ist der Verlust der Sehkraft ein „Abschied von der Leichtigkeit“. Theateraufführungen, Fernsehen oder Lesen werden zum Problem. Das muss nicht zwangsläufig so sein, denn die verbliebene Sehkraft lässt sich sehr gut unterstützen: Leselupen, Fernrohrbrillen und portable, elektronische Lesegeräte in vielen Varianten sorgen für mehr Lebensqualität und ermöglichen ein aktives, selbstbestimmtes Leben. Zwar kann kaum ein Vergrößerungsgerät alle Probleme auf einmal lösen. Doch spezialisierte Augenoptiker bieten viele Sehhilfen an, die auf individuelle Anforderungen und spezielle Alltagssituationen abgestimmt sind.

Allein die Palette der Leselupen umfasst unterschiedlichste Größen, Stärken und Formen. Im ultraflachen Scheckkartenformat mit und ohne Leuchte passen sie in jede Hemdtasche und machen selbst Mini-Schriften auf Kontoauszügen, Medikamentenverpackungen oder Preisetiketten wieder lesbar. In anderen Varianten helfen sie z.B. Kreuzworträtselfreunden, ihrem Hobby wieder nachzu-gehen: Sie sind so konstruiert, dass sie beim Ausfüllen nicht im Weg sind. Wer beim Lesen und Basteln gerne die Hände frei hat, greift auf Brillen mit Lupengläsern zurück. Die Scheiben sind inzwischen nur noch wenige Millimeter dünn, so dass sie von den „normalen“ Brillen kaum zu unter-scheiden sind. Andere Brillen wiederum lassen den Fernseher doppelt so groß erscheinen, wobei die Entfernung individuell scharf gestellt werden kann.

Menschen mit fortgeschrittenen Sehschädigungen stehen noch um einiges stärkere Helfer zur Seite, beispielsweise Fernrohrbrillen. Sie bestehen aus einem Glas, in das ein kleines, hochleistungsfähiges Fernrohr integriert ist. Es ermöglicht auch bei sehr schlechter Sehkraft ein Sehen in die Ferne. Durch Aufstecken einer kleinen Lupe lässt sie sich auch für die Nahsicht verwenden. Fernrohrbrillen sind nicht unbedingt dezent, bieten dafür aber ein sehr gutes Bild. Sie sind für Menschen mit stark beeinträchtigter Sehfähigkeit oft die einzige Möglichkeit, ihr Sehen zu verbessern.

Auch elektronische Lesegeräte sind sehr hilfreich. Sie funktionieren wie eine normale Leselupe, sind aber zusätzlich mit einem Fernseher oder Monitor gekoppelt. Auf dem Bildschirm wird das Bild unter der Lupe dann in starker Vergrößerung angezeigt. So können Sehgeschädigte selbst Kleingedrucktes komfortabel vom Bildschirm ablesen. Fotos anschauen, Bücher, Zeitschriften oder Briefe lesen wird so wieder möglich.

Was die Kosten betrifft, zahlen die Krankenkassen meist einen Zuschuss. Klarheit darüber bringt eine Beratung bei spezialisierten „Low-Vision“-Augenoptikern. Doch auch wer „leer“ ausgeht, sollte eine Anschaffung überlegen. Der Gegenwert ist in jedem Fall ein Zugewinn an Lebensqualität, Lebensfreude und Mobilität.

Mehr Informationen u.a. zur Kostenübernahme, den Fachaugenoptikern und weiterführenden Institutionen unter www.sehen.de.